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superterz - standards< back

cat-no: ACCD003
artist: superterz
title: standards 23 songs + fragmente
media: cd / digital download
release date: 02/10/2006


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press reviews

01/06/2007
NZZ - Inspiration auf diverse Frequenzen

Inspiration auf diversen Frequenzen

Das Zürcher Elektro-Trio Superterz am Taktlos-Festival 2007

Die Musiker von Superterz verbinden freie Improvisation mit Trip-Hop, Live- Musik mit Studio-Produktion. Heute Freitag wird das Zürcher Trio im Rahmen des 24. Festivals Taktlos auftreten, das vom 1. bis 3. Juni über die Bühne der Roten Fabrik geht.

Die gemailten Pressebilder zeigen ein Studio: ein musikalisches Laboratorium samt weitverzweigtem Instrumentarium, in dem sich die Tradition von herkömmlichen Trommeln und Gitarre vereint mit der Allgegenwart von Kabeln, Tastaturen, Bildschirmen . . . Auf anderen Fotografien sind dann auch die Musiker von Superterz zu sehen, der 45-jährige Schlagzeuger Oliver Schmid, der 39-jährige Gitarrist Marcel Vaid und sein fünf Jahre jüngerer Bruder, der Sound-Bastler Ravi Vaid. Angesichts offiziellen Bildmaterials irritiert nun der Umstand, dass die Personen unscharf abgelichtet wurden und quasi «out of focus» erscheinen (deshalb konnten die Bilder hier nicht abgedruckt werden).

Der Geist ist wach

Im Gespräch mit dem Trio geht einem plötzlich eine den Fotografen entlastende Ahnung durch den Kopf: Könnte es vielleicht sein, dass eine Art Molekularbewegung schöpferischer Erregung die Klangkünstler, die eigentlich einen ausgeglichenen Eindruck erwecken, mitunter in ein inneres Zittern versetzt? Dieses Vibrieren hält den Geist wach für die feinen Frequenzen ästhetischer Entwicklung im Allgemeinen und für die musikalische Grosswetterlage im Speziellen. Gerade diese künstlerische Sensibilität prägt ja die klanglichen und rhythmischen Binnen-Dialoge von Superterz.

Superterz - was eigentlich soll das bedeuten? Wer die Musik des Zürcher Trios hört, die zwischen Improvisation und bündigem Pop changiert, denkt an irgendein Monster-Intervall vom tiefsten Rock-Bass hinauf in die höchsten technoiden Sinus-Töne. Oder an einen gewagten Rösselsprung auf dem Spielfeld musikalischer Gegenwart: von der improvisierenden Avantgarde vorwärts in den deutschen Techno und dann zwei Felder zurück in die Vergangenheit von Bristol.

Eine Band

Superterz sei ganz einfach eine Band, behaupten die Musiker - machen aber kein Hehl daraus, dass sie sich erst nach wiederholten Diskussionen, kontradiktorischen Erörterungen und langem Abwägen zu diesem Resultat durchgerungen haben. Die Geschichte von Superterz begann vor fünf Jahren mit einer komplexen literarisch-musikalischen Kollaboration, mit der Vertonung von Poesie. Seither folgt man multimedialen Idealen, seither lässt man sich ein auf polystilistische Schlaufen, die der Geradlinigkeit von Rock und Pop zu widersprechen scheinen.

Oliver Schmid hatte jahrzehntelang in Ostschweizer Rockbands gespielt und eine Jazzschule absolviert, bevor er eines schönen Abends auf dem Zürcher Kanzleiareal die Brüder Vaid aus dem Aargau kennenlernte (die Söhne eines indischen Vaters und einer ostdeutschen Mutter, die 1962 zusammen aus der DDR emigriert waren). Nach Gehversuchen in Punk und Grunge hatten Marcel und Ravi ihr musikalisches Schaffen in ein eigenes Studio in Baden verlegt. Hier experimentierten sie auf den neuesten elektronischen Klang-Maschinen herum und registrierten, was Elektronik, digitale Technologie, Sampling in den neunziger Jahren der Popmusik brachten. In Zürich boomte die Techno- und Partyszene. Die Brüder Vaid interessierten sich hingegen mehr dafür, neue Sounds traditionellen Songstrukturen einzuschreiben.

Die Arbeit zu dritt begann mit dem Versuch, einen Soundtrack, den Marcel Vaid zu Gedichten des Zürchers Daniel Goetsch im Studio geschaffen hatte, live umzusetzen. Die Energie, die nun in dieses Experiment investiert wurde, reichte dann aus für eine nachhaltige musikalische Verschmelzung - für die Superterz eben. Die drei Musiker sind seither immer wieder auf Kollaborationen aus - mit Textern, Sängern, Produzenten. Es langweilten ihn jene Formationen, gesteht Ravi Vaid, die stets nach dem gleichen Muster funktionierten. Er vergleiche Superterz mit Gruppen wie Massive Attack, die das Line-up bei jedem Album änderten, erklärt Marcel Vaid.

Alles im Fluss

Die Musik von Superterz bleibt schon durch die Produktionsweise im Fluss: Das Repertoire wächst im Wechsel von Instrumental-Improvisationen und der Arbeit am Computer. Bisweilen wird ein Motiv, ein Beat vorproduziert, um ihn dann live mit Gastmusikern umzusetzen. Das letztes Jahr erschienene Album «Standards» ist ein gutes Beispiel: Was das klangliche Material betrifft, so sind hier die Sounds der neunziger Jahre zu hören - Trip-Hop, Postrock und Minimal Techno. Typisch für Superterz ist dabei, dass die Musik nie überproduziert und putzig wirkt. Typisch ist auch die überbordende Klangfülle, die mehr von künstlerischem Übereifer zeugt als von poppiger Zielsicherheit. - Die «23 Songs + Fragments» auf «Standards» werden übrigens intoniert von Robert Alexander, der sich in der Hardcore-Szene einen Namen gemacht hat, sowie den Sängerinnen Emilie Welti und Priska Zemp - Welti alias Sophie Hunger und Zemp alias Heidi Happy strahlen derzeit gerade als Shootingstars am Schweizer Pop-Firmament. Die drei Freunde von Superterz hingegen, die mit den beiden Sängerinnen lange vor dem Hype gearbeitet und sich also als Talent-Scouts erwiesen haben, machen es sich in der Nische gemütlich. Sie glauben an die Zukunft ihrer musikalischen Experimente, an die Belebung der Elektronik durch Session und Improvisation. Neue Projekte

Für die nächsten Monate sind zwei neue Alben geplant: eine Platte, die man zusammen mit dem Tontechnik-Pionier Jürg Jecklin im Ballsaal des Schlosses Castelmur im Bergell aufnehmen wird. Später dann soll auch wieder ein neues Songs- Repertoire veröffentlicht werden. - Zuvor aber konzentrieren sich die Gebrüder Vaid und Oliver Schmid auf ihr Konzert am Taktlos-Festival in Zürich, wo sie mit der Basler Avantgarde-Pianistin Marianne Schroeder auftreten werden.

http://www.nzz.ch


31/05/2007
Züritipp - Zwischen Songs und Fragmenten

Die einen experimentieren mit Rock, die anderen mit Ambient: Am Taktlos-Festival stellen sich Lauschangriff und Superterz vor, zwei Vertreter der jungen Zürcher Jazz-Szene.

Von Frank von Niederhäusern

Natürlich kommen sie auch dieses Jahr wieder in die Rote Fabrik: die Stars und Geheimtipps der internationalen Impro-Szene. Denn wenn das Taktlos-Festival ansteht, reisen auch eine Marilyn Crispell oder ein Joseph Bowie aus den USA an, ein Louis Sclavis aus Südfrankreich oder Luanda Casella aus São Paulo. Dennoch stehe heuer Europa im Zentrum, schreibt Festivalleiter Fredi Bosshard im Programm. Und auf eine Nachfrage hin präzisiert er, dass man gezielt auch auf Projekte «aus nicht erwartbaren Kreisen» geachtet habe.

Dass zwei davon aus Zürich stammen, ist für Bosshard zwar kein Hinweis für eine geografische Einengung des gewohnt global ausgerichteten Festivals, aber: «Es wäre schade, die aktuelle Vielfalt der Zürcher Experimentalszene nicht zu dokumentieren.» Taktlos stehe für Offenheit, betont Bosshard, und nennt als Paradebeispiel die Band Superterz. Das Projekt der Brüder Marcel und Ravi Vaid mit Drummer Oliver Schmid ist im Mischbereich zwischen digitalen Geräuschen und analogen Sounds, zwischen elaboriertem Ambient und Impro-Jazz zu Hause. Oftmals verstärkt sich das Trio durch Gäste und arbeitet mit Modulen, was auf der 06er-CD «Standards – 23 Songs + Fragmente» ohrenfällig wurde. Am Taktlos wird neues Material erklingen, für das die klassische Pianistin Marianne Schroeder und die Videokünstlerin Nic (Nicole Biermaier) beigezogen wurden. Offenheit prägt auch die Arbeit von Lauschangriff, obwohl sich Sängerin Joy Frempong, Gitarrist Flo Stoffner, Bassist Flo Götte und Drummer Luca Ramella eher als fixe Band fühlen. Das Quartett kommt hörbar aus der rockigen Ecke, strebt aber stets das Ungewöhnliche und Überraschende an.

Mittels verspielter Hinwendungen zu Jazz, Noise oder Psychedelik erzeugen Lauschangriff einen Sound, der irgendwo zwischen Led Zeppelin, Jaga Jazzist und Björk schwebt. Verstärkung erfahren sie am Taktlos durch zwei Gäste gegensätzlicher Art: den Cellisten Martin Schütz (Koch-Schütz-Studer) und den Elektrotüftler Thomas Winkler (ex Crank).

http://www.zueritipp.ch


31/05/2007
Out-of-space.ch - 23 Songs + Fragments

Eher düster oder zumindest träumerisch wirkt dieses gegen Ende 2006 erschienene Album der Schweizer Band Superterz. Unterstützt wird das äusserst sphärische Klangmuster aus akustischen, aber auch rein elektronisch produzierten Klängen durch die melodische Stimme der Sängerin Emilie Welti (Stimme von Fisher und als Sophie Hunger momentan auch solo unterwegs) und Gastvocals von Priska Zemp (aka Heidi Happy), wobei bei einzelnen Stücken auch eine (sehr melancholische) Männerstimme zum Mikrophon greift, die Robert Alexander gehört. Paradebeispiel hierfür ist Track 4. (Ja, richtig gelesen - soweit ich das durchschaut habe, sind die Tracks ganz schlicht einfach durchnummeriert). Bei diesem Song wird einem nämlich, aufgebaut auf einem nervösen, fast schon nervenden "Knackbrubbel"-Loop mit aber vielen Zwischendurch-Raffinessen textlich sowie sängerisch fast das Herz gebrochen. Mehr als "I have lost my faith in true love" werde ich hierbei also nicht zu zitieren wagen. Track Nr.6 versetzt einem (in Gedanken) an einen Strand auf einem fernen Planeten, an den die Wellen eines leicht glitzernden Meeres sanft heranrollen und einem für ewig verweilen lassen wollen. Doch schon fast zu bald kommt mit dem nächsten Track ein Sturm auf, der zwar die Idylle mit seiner Düsterheit zu zerstören scheint, einem jedoch zum Bewegen animiert. Nr. 8 erinnert schon mit der allerersten gesungenen Melodie sehr stark an Björk, auch die Loops lösen ein östliches Feeling aus. Song 9 bildet dann einen leichten und kurzen Übergang zum zehnten Konstrukt, das mich zuerst sehr an fliegende Luftblasen erinnerte, seine Leichtigkeit dann allerdings im weiteren Verlauf verliert - wie wenn die Luftblasen sich auflösen würden statt zu zerplatzen - und dann doch eher wieder gar düster wird. Es folgt ein kleines Klockenspielintermezzo (das entfernt fast an eine Kuhweide denken lässt) und schon befindet man sich, mit Track Nr. 12, im Traumland sphärischer, stranger Klänge der speziellen Männerstimme wieder.

Man schwebt also mit dem Verlauf der Songs weiter, träumend, noch einmal verstärkt mit einem Instrumentalübergang (für mich fast schon psychodelisch wirkend und stark an einen Doommetal-Aufbau erinnernd) auf die Nummer 18 zu - mein Lieblingslied der CD. Ein Teppich aus Klängen, ein sanfter Breakbeat und darüber schwebend die harmonische Stimme der Sängerin Emilie... sanft, aber dennoch melancholisch und irgendwie fast anprangernd. Gerade anschliessend und im Kontext der anderen Songs hört sich das gesungene "Take some candie and some bubblegum" doch sehr speziell an, wenn nicht gar ironisch - trotzdem gefällt mir dieser Song sehr gut, was nicht zuletzt der Sängerin zu verdanken ist. Noch zwei weitere Songs, einer gespickt mit leichten D&B-Elementen, und unsere Reise geht mit 23 zu Ende. Der Abschluss könnte kaum besser sein, denn einer der schönsten Titel dieses Albums schliesst mit "I'm just dreaming" ganz sanft und offen ab...

Zusammenfassend erwartet einem mit diesem Werk eine empfehlenswerte, träumerische, musikalisch aufwändige, teilweise sehr melancholische Traumwelt, die mir allerdings als Ganzes fast ein bisschen zu eintönig ist, da wirklich heftige, härtere (Gefühls-)Ausbrüche fehlen, die ich sonst bei gewissen Trip-Hop-Stücken so liebe.

http://www.out-of-space.ch


31/10/2006
Musiek.ch - 23 Songs + Fragments

Superterz aus Zürich vermählen auf "Standards" Akustik mit Elektronik und weben ein wunderprächtiges Netz zwischen Triphop und Post-Rock.

Nicht selten erinnert das fünfköpfige Zürcher Kollektiv auf den 23 neuen Songs und Fragmenten dabei an die isländischen Mum. Genauso märchenhaft gibt man sich, genauso ausgeklügelt, versponnen, überraschend. Es klickt, summt, zirpt, die Synthesizer schweben, die Stimmen klingen wunderbar. Meist anspruchsvoll, aber ab und an auch eingängig, werden die elektronischen Leckerbissen dabei von einzelnen Piano- oder Gitarrenklängen ausgeschmückt, die die traumwandlerischen Diskurse erdigen, ihnen etwas Fassbares verleihen. Getragen werden die meist ruhigen, ja beruhigenden Klangkonstruktionen dabei von den (Gast-)SängerInnen Priska Zemp, Emelie Welti und Robert Alexander, die mit ihren glasklaren, elfenhaften Stimmen Loreleyen mimen, die Herzen der Hörerschaft verzaubernd. Und ehe man sich versieht, ist man in eine andere Welt gesunken, in der nichts ist, wie man's bis anhin kannte; in der die Grenzen aufgelöst sind und sich der Geist der Leichtigkeit des Seins hingeben kann. Sorglosigkeit. Glück.

"Standards" ist eine der bemerkenswertesten Schweizer Veröffentlichungen, die die Schreibende bis anhin gehört hat. Es lädt zu einem faszinierenden Traum ein, aus dem man nach 75 Minuten mit einem abrupten Schlussakkord aufgeweckt wird. Es ist eben doch zu schön, um wahr zu sein.

http://www.musiek.ch


30/10/2006
Trespass.ch - Superterz - Standards 23 Songs und Fragmente

Superterz bringt gewissermassen den Soundtrack für die urbane Einsamkeit und operiert teilweise gefährlich nahe an der Gehirnwäsche. Jedenfalls würde ich einen Supermarkt sofort verlassen, wenn dieser Sound berieselnd aus den Lautsprechern träufeln täte. Nun gut, die Gefahr besteht wegen des nicht gerade hitparadenmässigen Touches nicht unbedingt. Superterz könnte der Sound sein, der sich hinter den ausdruckslosen Gesichtern am frühen Morgen im Zug verbirgt, die zwischen Bett, Kopfhörern und Arbeitsplatz noch nicht allzu aufnahmefähig sind. Denn Superterz ist unterschwelliger Sound, geht voll aufs Unterbewusstsein und lässt die unverdauten Monster aus dem letzten Kino-Abenteuer ungebremst in die Sinnlosigkeit des Alltags krachen. Die selbsterkannte Ähnlichkeit mit Björk stammt massgeblich von Fisher-Leadvoice Emelie Welti und Gastsängerin Priska Zemp. Mit männlicher Stimme tönt das Ganze wahlweise nach Jay Jay Johanssens "Back in town" oder Mobys "Why does my heart". Auch die zweite von der Band genannte Referenz, Massive Attack, lässt sich in gewissen Passagen nicht von der Hand weisen. Andereseits ist Superterz oft noch viel dunkler. Die "23 Songs und Fragmente" kommen reduktionistisch daher und genau so präsentiert sich auch die jungfräulich weisse CD mit Songs ohne Namen.

http://www.trespass.ch


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