reviews & comments13/01/2006 bandsmagazine.ch - die 80s-welle erreicht die schweiz! hierzulande dauert bekanntlich alles etwas länger. was sich in der politik systembedingt erklären lässt, ist in der musik ein schwieriger zu verstehendes phänomen. warum dauert es in der regel gut 3 jahre, bis ein internationaler trend sich hierzulande im musikschaffen bemerkbar macht? vielleicht liegt's am inseldasein, vielleicht sind wir auch einfach individueller, vielleicht ist auch das fehlen einer nationalen musikpresse dafür verantwortlich? fakt ist: zwischen the hives und the chocolate rockets verstrichen rund 3 jahre, zwischen dem 80s-revival in der rockmusik und camp ebensoviel. jetzt aber ist es da, das debut von camp, und deren einflüsse offenbaren sich sogleich: the cure, new order und gegen ende des albums depeche mode. dass daraus nicht ein blosser abklatsch sondern über weite strecken ein mitreissendes und gelungenes album wird, ist vor allem der verdienst von sänger dominic suter, dessen stimme - irgendwo zwischen robert smith und jarvis cocker - die songs davor bewahrt, austauschbar und ausgelutscht zu klingen. das "alles schon gehört-gefühl" verschwindet zumindest bei mir nach wenigen takten. als höreinstieg empfiehlt sich "in paris with you", ein up-tempo-song mit zwingender melodieführung, treibender basslinie und intelligenter gitarrenarbeit. absolut disco-tauglich! im folgenden flirten camp auch mal mit indie-pop ("outdoor life") oder klassischem 80s-pop ("all she wants"). "never again" zeugt von einem flair für electro-pop der marke fischerspooner. damit nicht genug: "the end of her" erinnert an den brachialen minimalismus von the kills und bedient sich im refrain (bewusst oder nicht?) des riffs des pixies-klassikers "monkey gone to heaven". sowas nennt man wohl vielseitig. kleiner wermutstropfen: "field day" ist zu banal und der ansonsten gelungene (und bereits gelobte) gesang geht mir hier ziemlich auf die nerven. und den beiden schlusstracks "into the rain" und "we have reasons" fehlt das zunder, das die meisten der vorangehenden songs aufweisen. ohne diese drei songs wäre iconography ein knackiges 40-minuten-album, so wie's ist dauert's halt ein paar verzichtbare minuten länger. empfehlenswert ist's dennoch. http://www.bandsmagazine.ch 11/01/2006 out-of-space.ch zusammengefasst und ganz einfach: als ob sich die new-order-jungs zum zukünftigen electronic-gerichteten bright-eyes-team gesellen würden. ian curtis lebt noch und studiert klangerzeugungen mit spandau ballet. so würde es die ganze zeit weitergehen mit den vergleichen. aber eine gute band braucht all dies nicht, wenn sie in ihren klängen den wichtigsten platz dem madchester-einfluss verschenkt. kanns kaum erwarten, den ganzen sound live zu hören, bald sind sie ja in der roten fabrik. in paris with you - und ich seh es schon, wie die ganze halle schwebt und sich das schweben mit strange girl auf die sekunde verrichtet. ob die gitarren eher versynthet klingen oder man sich einredet, dass der synthesizer nur für die bassmelodie dasteht, hängt rein davon ab, auf welcher seite man in den 80er jahren gestanden ist. der band aus zürich soll dies auch egal sein. so oder so erreichen sie mit ihrer liebe zu verrockten synth-tönen das publikum. bei field day bestimmt diesmal die geige den takt, was ganz den anderen einflussbereich der band camouflage wiedergibt - mit dem motto, die melodie solle jetzt mal die führung übernehmen. auf dem weg durch outdoor life trifft man die melancholischen gitarren, die den weg zum pausenlosen stadtleben führen. die zeichnung der töne vom siebten track cameraman ist nur durch eine 24-h-alive-stadt möglich. alles bewegt sich, alles leuchtet, es passiert etwas, ständig, eine unendliche anpassung von klängen mit all den bildern jedes ereignisses. die ganze scheibe braucht lichter, menschen, unerwartete mengen, in einer grossen masse. einen ort, wo man den überblick einer station schnell verlieren kann und sollte, um jederzeit die position mit der musik wiederzufinden, eine reine entdeckung. es sei denn, man erlaubt sich, sein eigener regisseur zu sein. jeder dj könnte den abend mit never again anfangen, so als im voraus steigender impuls der tanzfläche. da ist jede anfangsschüchternheit vor dem tanzen schon mal ausgeschlossen. die besonderheit - das wichtigste heutzutage - der drei jungs liegt darin, dass sie ihre vielseitigkeit unverhindert präsentieren. um sie kennen zu lernen, reicht ein einziger song nicht, auch nicht zwei. in jedem 3-minuten-durchschnitt liegt eine verstreute romance, manchmal dramatisch, ab und zu ein (keineswegs erzwungenes) happy end, oder beides gleichzeitig wie bei into the rain. als “mad about synthies” mag ich diese scheibe, und so wird es den anderen electronic-freunden auch gehen! leute, we have eine menge reasons, das werk reinzuziehen. und das vor dem konzert! http://www.out-of-space.ch 03/01/2006 rotefabrik.ch es ist meist ein gutes zeichen, wenn eine band zu ihren wurzeln steht. camp bieten freimütig new order und the cure als referenzen an: poppiger new wave mit disco-appeal also. wenn sich die gitarre durchsetzt, geht es zwischendurch in gefilde, in denen auch eine band wie franz ferdinand plündert. doch genug der vergleiche, das debütalbum «iconography» liefert genug gesprächsstoff. also: camp präsentieren sich als hoch talentierte songwriter und reihen einen ohrwurm an den anderen. neben dance-rock bietet das zürcher trio auch sanftere, melancholische töne. kein wunder kürten kanal k und radio 3fach die platte zum album der woche. zu allem überfluss sehen die jungs auf der bühne auch noch so gut aus, dass missgünstige konzertgänger schon mal «mädchenmusik» murmeln. und wenn schon: ob frau oder mann, wir schwingen vor der bühne das tanzbein und singen lauthals mit: «nothing else to do when i'm in paris with you». http://www.rotefabrik.ch 20/12/05 loop musikzeitung es ist meist ein gutes zeichen, wenn eine band zu ihren wurzeln steht. camp bieten freimütig new order und the cure als referenzen an: poppiger new wave mit disco-appeal also. wenn sich die gitarre durchsetzt, geht es zwischendurch in gefilde, in denen auch eine band wie franz ferdinand plündert. doch genug der vergleiche. das in eigenregie produzierte debütalbum iconography liefert genug gesprächsstoff. also: camp präsentieren sich als versierte songwriter und reihen einen ohrwurm an den anderen. nicht umsonst kürten kanal k und radio 3fach die platte bereits zum album der woche: songs, arrangement und produktion verdienen bestnoten. nicht immer überzeugend gerät hingegen der gesang. zwar verfügt dominic suter über eine durchaus einnehmende stimme, in den höheren lagen klingt er allerdings zuweilen überfordert. ein aussenstehender produzent hätte hier wunder wirken können. trotzdem: wenn diese welt eine gerechte wäre, müsste das unverschämt eingängige "in paris with you" ein massiver singlehit werden. 20/12/05 das netzmagazin - ikongraphie einer post-synthesizerband das erste release des zürcher studenten-camp(s) "iconography" beinhaltet sowohl dancerock-nummern als auch melancholische klänge, die mit surrealistischem textchaos unterlegt sind. nach einer ersten erfolgreichen konzertphase mit einzelnen singleauskopplungen - die die band bis an das for noise festival in lausanne und in das vorprogramm von radio 4 im zürcher abart gebracht hatte - versuchen camp alias dominic suter (voc, guit, key), raphael rogenmoser (bs voc) und tosho yakkatokuo (dr) ihre ikongraphie in 13 facettenreichen lieder zu erfassen. deutlich ist auf der platte die Liebe zu synthesizern, rockelementen und gesangsdramaturgie zu vernehmen. das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass sich suter stets zu synthesizerbands der 80er jahre hingezogen fühlte, rogenmoser vor camp in zahlreichen indierock-bands seinen bass dazugab und tosho für seinen berüchtigten "yakkatokuo-shuffle" bekannt war. diese dreifaltigkeit zeichnet schliesslich den einzigartigen sound-mix, ihre ikongraphie, aus, für die camp einstehen. schnelle gitarrenriffs werden mit bass- und synthieeinlagen elektronisch aufgewertet. wenn man beispielsweise cure oder auch new order nachtrauert, so kann man sich mit camp über den verlust der grossen 80er newwave-bands leicht hinwegtrösten. auch der stimmvirtuose suter bringt die melancholie und dramatisierung, die auch bei cure-sänger robert smith schon fast legendär ist, auf "iconography" deutlich zum tragen. in manchen textstellen wird deshalb nicht der akzent auf das, was suter sagt, sondern darauf, wie er es sagt, gesetzt, denn nur schon die songtitel wie "field day" oder "the end of her" scheinen ein textchaos vorauszusagen. "iconography" ist ein sehr eigenwillig experimentelles werk und deshalb wohl nichts für freunde der lighten musikalischen unterhaltung, aber alles für synthie-junkies und dada-fanatiker. http://www.netzmagazin.ch 08/12/05 weltwoche - camp order die schweiz hat ihr rocktrio, das (fast) in england mitmischen könnte. rock und elektro bubble gum treten hier in glückliche kooperation; fehlt nicht viel zum durchbruch, denkt man, da und dort eine vereinfachung, ein nicht-harmonischer schritt über die struktur hinaus, ein letzter Schrei. dann kommt "in paris with you", und alles ist da. congrats. http://www.weltwoche.ch 07/12/05 aargauer zeitung - mit soliden songs beim debüt voll im trend clubmusik: das debütalbum iconography des zürcher trios camp taugt für den dancefloor, die rockbühne, aber auch für das wohnzimmer. es ist angesagter clubsound, ohne reine kopie zu sein. camp kommen mit iconography zur richtigen zeit. ob sie auch am richtigen ort sind, wird sich bald weisen. in england gehört der sound, wie ihn camp machen, im moment zum angesagtesten, und aus new york dringen ähnliche signale zu uns durch: handgemachte clubmusik oder - umgekehrt betrachtet - beatlastiger rock liegt im trend. doch machen camp nicht einfach auf franz ferdinand oder bloc party. die aehnlichkeiten rühren viel mehr daher, dass camp mit jenen bands einige vorbilder aus der new-wave-szene der achtzigerjahre teilen: the cure, new order und wire. camps sänger, gitarrist und keyboarder dominic suter beschäftigt sich denn auch schon seit geraumer zeit mit seiner mischung aus gitarren- und elektrosounds. vor gut zwei jahren verspürte er den drang, live aufzutreten, und erweiterte das projekt zur Band. mit dem bassisten und sänger raphael rogenmoser und dem schlagzeuger tosho yakkatokuo bilden camp ein klassisches rock-trio; die elektronischen elemente treten bei den konzerten in den hintergrund, ohne dass der groove verloren ginge. rogenmoser erzählt:"früher habe ich in luzerner indie-rock-bands gespielt; meine begeisterung für clubsounds kam erst nach meinem umzug nach zürich auf." yakkatokuo, drummer unter anderem bei der philipp fankhauser blues band, sprang eigentlich bloss als notnagel fürs erste konzert ein, fügte sich jedoch hervorragend bei camp ein und blieb. im studio übten alle ihren einfluss aus, dominic suter bleibt aber der hauptsongwriter. dass ein album fällig wurde, sahen camp an ihren downloadzahlen: das deutsche netlabel, bei dem die zürcher ihre songs anfangs anboten, verzeichnete 60 000 klicks in zwei wochen. die produktion des albums iconography, welches nun bei alpinechic erschienen ist, beanspruchte über ein jahr. "als alles fertig zu sein schien, hatten wir das gefühl: das können wir noch besser. darum nahmen wir einige songs neu auf, mischten andere neu ab", berichtet raphael rogenmoser. trotzdem ist iconography einheitlich geraten und überzeugt als ganzes. eine sanfte melancholie prägt die stimmung, doch melodisch bietet das album abwechslung. die instrumentierung wurde zwar mit kleinen spielereien aufgelockert, grundsätzlich treten xxperimente aber zugunsten der songs zurück. ein grosser sänger ist dominic suter nicht, doch erinnert seine bisweilen gebrechlich wirkende stimme an robert smith von the cure. in den kommenden monaten werden camp in einigen schweizer clubs auftreten; zudem ist ein remix-album zu iconography in planung. http://www.azonline.ch 05/12/05 wohrt.ch die zürcher gruppe überrascht auf ihrem debüt "iconography" mit stimmungsvoller new wave im stil der frühen achtziger jahre, doch sind auch einflüsse der elektronischen klub-kultur ihrer heimatstadt erkennbar. http://www.wohrt.ch 02/12/2005 20 minuten - fixiert das zürcher trio camp lanciert seinen erstling. darauf findet sich eine musik, die in richtung elektro-retrorock zielt und entsprechend eine schmale krawatte auf schmächtiger brust trägt, etwas traurig in der ecke steht und den boden fixiert. doch unter der nüchternen oberfläche pulsiert ein romantisches herz, das als taktgeber der texte durch die dunkelheit des clubs streift — auf der suche nach liebe und vergebung, getrieben von sentimentalität und selbstreflexion. klingt über weite strecken deutlich nach frühen the cure, doch wer gute einflüsse nutzt, dem gelingen tolle platten. camp gehören dazu. http://www.20min.ch 01/12/2005 neue zürcher zeitung - naiv und leidenschaftlich die band camp präsentiert ihr début die frühen achtziger jahre sind zum orientierungspunkt der gegenwärtigen rockszene geworden. auch für die 2003 gegründete zürcher gruppe camp, die heute im musikklub helsinki ihr débutalbum «iconography» live vorstellt. während die meisten bands dieses retro-trends den stürmisch-schrillen post-punk weitertreiben, bleibt das zürcher trio näher an den sanft- romantischen originalen der von kühlen synthi- sounds geprägten new wave. auf «iconography» kann man vor allem britische bands wie cure oder depeche mode heraushören, aber auch new yorker wie the rapture. camp lässt durchaus auch einen eigenen ansatz erkennen. die heimatstadt zürich diene der band auch als nährboden für ihre disco-qualitäten, erklärt bassist raphael roggenmoser im gespräch. spannend finde man hier insbesondere die elektronische klub-kultur; man könne sich denn auch gut elektronische remixe einiger ihrer songs vorstellen. tatsächlich schaffen die stoischen, zum tanzen animierenden disco-beats einen reizvollen kontrast zur zuweilen recht rotzigen rock-gitarre. im vordergrund der musik stehen jedoch die dunklen, melancholischen stimmungen, die für eine newcomer-band erstaunlich nuanciert gelungen sind. die drei musiker von camp sind denn auch keine anfänger, sondern haben schon in mehreren bands gespielt, allen voran tosho yakkatokuo, der seit über 20 jahren profi-schlagzeuger ist. schwer fassbar sind die einmal lakonisch, dann leicht klagend gesungenen texte. man könne die lyrics als surrealistischen trash bezeichnen, meint roggenmoser: «camp erzählen nicht, sondern reden, um offen zu lassen.» das passt zum missverständlichen bandnamen. camp meine nicht «tuntenhaft», erklärt roggenmoser, sondern sei als verweis auf den von susan sontag geprägten kunstbegriff gedacht. auf die musik von camp bezogen wolle die band damit ausdrücken, dass sie ganz bewusst naiv und leidenschaftlich mit ihren stilistischen vorbildern umgehe. http://www.nzz.ch 30/11/2005 drs3/virus - camp: neue schweizer rockhoffnung tauft debut die junge zürcher band camp tauft am donnerstag, 1. dezember ihr debut «iconography». der auftritt findet im helsinki club zürich statt. die formation und ihr powerpop mit hörbaren einflüssen von the cure und police gilt unter fachleuten schon jetzt als vielversprechende neuentdeckung. http://www.drs3.ch 30/11/2005 tages anzeiger - die rückkehr der verklärten welt die zürcher dancerockband camp steht auf susan sontag, die neuromantischen achtzigerjahre und trashige lyrics. morgen tauft sie im "helsinki" ihr debütalbum. "über camp reden heisst es verraten", steht in der medienmitteilung. seltsame typen, denkt man sich. wollen ihr debütalbum bewerben und doch nicht sagen, was sache ist. aber seltsam ist auch spannend. also trifft man sich in der bar "casablanca" an der langstrasse. als der fotograf nach dem geeigneten rahmen fürs gruppenbild fragt, deuten die jungs begeistert aufs vis-à-vis gelegene schaufenster eines modegeschäfts - und posieren kurz darauf wie amateurhafte dressmen inmitten von klamotten und showroom dummies. lustige typen, denkt man sich. und merkt erst später, dass sie mit diesem intermezzo längst preisgegeben haben, welche attitüde ihrer band zugrunde liegt. aber alles der reihe nach. camp bestehen aus sänger, gittarist und keyboarder dominic suter, bassist raphael rogenmoser und drummer tosho yakkatokuo. camp bestehen aber ebenso aus einem angehenden psychotherapeuten, einem projektleiter für pop und neue medien beim migros-kulturprozent und einem vielseitigen berufsmusiker, der auch bei philipp fankhausers blues band mithämmert. man wittert zündstoff. nach ein paar fragen wird klar, dass man richtig gewittert hat. wie bei einem intensiven rundlauf-ping-pong fliegen bemerkungen, kritik und lob von links nach rechts und diagonal zurück. so erfährt man als amüsierter zuhörer, dass dominic suter zwar einen enormen output an songs liefere, gleichzeitig aber zu ungeduldig sei, um die einzelnen stücke bis ins detail auszuarbeiten. oder dass die musikertätigkeit eine leidenschaft sei, die neben freuden auch stattliche leiden schaffe. oder, last but not least, dass der bandname auf einen kunsttheoretischen terminus von susan sontag zurückgehe. "der begriff ‹camp› steht für übertriebenes, theatralisches verhalten", erklärt suter. "oder, auf unsere musik gemünzt, den bewusst naiven aber passionierten umgang mit einem ehemaligen mainstream-phänomen." exaltierter herzschmerz so lautet die abstrakte theorie. die konkrete praxis klingt anders. mal ausgelassen, mal melancholisch. sie erinnert an die neuromantischen achtzigerjahre, in welchen britische modebands wie abc, depeche mode oder the cure mittels synthesizer-melodien und plastik-poesie die welt (v)erklärten. am nachmittag warf man der schulhausprinzessin den "look of love" zu (den sie ignorierte), am abend tanzte man zu "i sometimes wish i was dead" den exaltierten herzschmerz, am nächsten morgen startete man mit "boys don't cry" in die nächste runde. wirklich tief ging das selten. aber es fühlte sich gut an. genauso wie die musik von camp. dass deren songs manchmal nicht voll austrainiert sind, kommt ihnen bei konzerten gar zugute, weil sie live weniger nach gestrigen synthetischen london, sondern nach dem heutigen new york tönen will. "sounds good, looks good, feels good too" funktioniert schliesslich auch in der neuzeit. von thomas wyss http://www.tagesanzeiger.ch 28/11/2005 students.ch - iconography alpinechic ist produktiv: vor noch nicht allzu langer zeit feierte das mp3-netzlabel sein debüt auf dem handfesten musikmarkt (very dirty von pureape), und schon steht da der nächste release an: ACCD002 heisst iconography. iconography ist das debüt-album von camp (wer sich für das grosse poptheorie-Wort “camp” interessiert, der soll sich bei susan sontag schlau machen. auf ihrer website begnügen sich camp sympatischerweise damit, für den “catchy bandnamem” zu danken …), einem zürcher trio mit wurzeln in zürichs indie-rock-szene. von dominic suter (voc, guit, keys) und raphael roggenmoser (Bass, Voc) 2003 an der uni gegründet und durch den zugang von tosho yakkatokuo (Drums) zur veritablen band formiert, starteten sie als live-act ihre tour durch zürichs clubs und keller. in bester erinnerung: camp als opener für radio 4 im abart vor gut einem jahr. unter anderem die glänzenden download-zahlen auf der alpinechic-seite müssen die band angestachelt haben, bäldigst eine silberscheibe rauszubringen. iconography oszilliert zwischen new wave, dance-rock und synth-pop, referenzen an die UK-achtziger und inspirationen vom aktuellen NYC-disco-rock sind offenkundig. diese mischung ist bekannt, in der camp’schen interpretation jedoch durchwegs nicht langweilig, da eigensinnig. wo sich viele bands nervösen, punkigen gang of four-elementen bedienen, da erinnern camp und vor allem dominics gesang doch mehr an the cure oder an new order – expressive, kontrollierte klage statt wut im bauch, auch auf dancefloor-orientierten songs wie my Heart is breaking down oder in paris with you. irritierend, aber nicht nervig die mehrmals auftauchenden durchkitschten synthies à la bronski beat, wie zum beispiel im refrain von all she wants oder auf here i stand, die die düstere ästhetik dieser songs kontrastieren. da wird lustvoll und ohne hemmungen mit der vergangenheit umgegangen. camp sind trotz all der genannten offensichtlichen verweise und zitate ihren eigenen ideen verpflichtet, und selbstbewusst setzen sie diese auf iconography um - ein facettenreiches, bemerkenswert produziertes album auf der höhe der zeit. http://www.students.ch 24/11/2005 kommerz - they think they are the camp «they think they are the camp»: zweifel über die funktionalität einer post-rock-band in einem electro-club sind längst vom tisch geräumt. es geht um die vermischung traditioneller rock-instrumentierung mit elektronischen beats; melancholischer dance-rock - dank dem revival von depeche mode äusserst präsent in unseren köpfen. sinnloses getexte, dem wohl sowieso kaum jemand beachtung schenkt. zur erinnerung: wir befinden uns in einer disco-umgebung. wo man sich die freiheit nehmen kann, sein eigenes werk nicht zu deklarieren - andere nennen es kunstschaffen. camp machen auf diese weise musik. wunderbare gitarrenmusik; nichts neues, dafür sehr ehrlich und überzeugend. und ja, die besetzung stammt tatsächlich aus zürich. mir gefällts. es rechtfertigt das «es rockt!»-phänomen. http://www.kommerz.ch |